Bürowissen kompakt
Zwischen Kommunikation und Konzentration
Dunkle Flure und einengende Zellenbüros, gehören mit jedem Neubau und jeder gelungenen Sanierung der Vergangenheit an. Neue Büroformen machen sich im Alt- und Neubau breit und fördern Austausch sowie Konzentration.
Der Trend geht zum „Starbucks-Ambiente“, sagt Architekt Dr. Roman Wagner. Die Arbeitsumgebung wird wohnlicher und gleichzeitig dezentraler. Vor allem den Jüngeren kommt diese Art des Arbeitens entgegen. Sie lösen Probleme bevorzugt im Team und zur Teamarbeit gehört auch Kommunikation und Gedankenaustausch. Das Gebäude wird zum sozialen Treffpunkt und wichtigen Bezugspunkt, da der Arbeitsort überall sein kann.
Zugleich sollen jedoch Flächen optimiert werden, um Kosten zu sparen, denn der Arbeitsplatz ist in vielen Unternehmen bis zu 50 Prozent ungenutzt. Roman Wagner kennt die Problematik gut. Er leitet den Bereich „Strategic Architecture“ beim Beratungsunternehmen Jones Lang LaSalle in Frankfurt und berät Bauherren. „Einerseits wollen die Unternehmen Flächen verdichten, andererseits soll der Mitarbeiter weiterhin motiviert sein und sowohl kommunikativ als auch konzentriert arbeiten können.“
Dafür braucht es seiner Meinung nach neue Büroraumtypologien jenseits des klassischen Zellenbüros. In seiner Dissertation „Begegnungsqualität in Bürogebäuden“ befragte er 2004 bis 2005 1 000 Teilnehmer aus 16 Unternehmen. In der Studie schnitten die beiden Büroformen „Kombibüro“ und „Business-Club“ überdurchschnittlich gut ab.
RAUMTYPEN IM VERGLEICH
- Im klassischen Zellenbüro machen die Kommunikations- und Gemeinschaftsflächen im Schnitt nur zehn Prozent der Nutzfläche aus. Sie belegen jedoch oft hochwertige
- Fläche an der Fassade.
- Im Gruppenbüro sind die Einzelräume oder die durch Stellwände abgetrennten Raumbereiche größer und offener. Es gibt mehr Kommunikationszonen.
- Das Kombibüro vereint transparente Ein- und Mehrpersonenräume mit Gemeinschaftseinrichtungen in der Mittelzone. Oft wechseln Beschäftigte je nach
- aktueller Aufgabe, Projekt und Teamzusammensetzung den Platz.
- Im Business-Club ist die Bindung an den Einzelarbeitsplatz noch geringer, eine nonterritoriale Nutzung der Arbeitsplätze ist Grundvoraussetzung. Besprechungsund
- Kommunikationsbereiche nehmen bis zu 25 Prozent der Fläche in Anspruch.
CHECKLISTE FÜR KOMMUNIKATIONSRÄUME
- Mittelzonen in der Nähe von angrenzenden Besprechungsräumen, Treppenhäusern, Sanitärkernen planen
- Temporäre Arbeitsplätze einbinden
- Kombination aus Wissens-, Informations- und Kommunikationsort (Bibliothek, Sitzecke, interaktive Infobildschirme, W-Lan)
- Hochwertige und vom Arbeitsbereich sich absetzende Gestaltung (wohnlicher, gemütlicher, beispielsweise durch gepolsterte Sitzmöbel, Bistrotische, Teppiche, Vorhänge, Trennwände und intimere Lichtführung)
- klare Abgrenzung von Versorgungsund Aufenthaltsbereichen
- Einbezug von Nischen und Kojen unterschiedlicher Größe, die sich in der Nähe der Hauptverkehrswege befinden
- Klare Funktion: als Anlaufstelle für Besucher zum Beispiel Empfangszone, Wartebereich, Lounge ·Akustische Störungen der angrenzenden Arbeitsplätze durch Technik- und Versorgungsinseln vermeiden
- Bei Ermittlung der Sitz- und Stehplatzanzahl die Hauptverkehrszeiten beachten ·Auch für betriebsinterne Feste und Feiern flexibel nutzbar
- Variable Steh- und Sitzmöglichkeiten
- Lagerflächen, Geschirr- und Geräteausrüstung in Abhängigkeit von Nutzeranzahl; Abfallkonzept planen
- Betriebskonzepte (Versorgung) entwickeln, Zuständigkeiten klären ·Selbsterklärende Geräte einsetzen mit hinterlegter Bedienanleitung
- Ganztägige Nutzung des Betriebsrestaurants (wird zum Konferenzraum)
- Flexible Raumnutzung durch Systemtrennwände oder Teppichfliesen
- Haupt-, Nebenverkehrswege definieren
- Vereinheitlichung der unterschiedlichen Funktionselemente (gleiche Farbe/Etage)
- Mittelzone als zentraler Marktplatz
- Espressobar oder Teeküche muss Brandschutzmaßnahmen einhalten
- Multifunktionsgeräte in die Technikinsel integrieren, Funktion „secured printing“ für Einhaltung der Privatssphäre sinnvoll
TIPPS FÜR DIE VERDICHTUNG VON ARBEITSPLÄTZEN
- Möglichst drei Meter lichte Raumhöhe, um größere zusammenhängende Flächen realisieren zu können
- Verkabelung und Bodenauslässe auch für die zweite Reihe an der Fassade sowie für die Mittelzone des Gebäudes vorsehen
- Reicht die Toilettenanzahl? Wenn nicht, Möglichkeiten zur Nachrüstung vorsehen
- Kühlung und Luftwechselrate der erhöhten Wärmelast anpassen
- Akustikmaßnahmen in Kombination mit der Kühlung erarbeiten
- Akustisch wirksame Decken und Böden vorsehen
- Mittelzone für temporäre Arbeitsplätze und Infrastruktur nutzen. Dafür eine Beleuchtung von über 350 Lux und Bodenauslässe einplanen
Das ist ein gekürzter Beitrag aus Mensch&Büro Ausgabe 6/2010
- Dateien:
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Stichworte:
Open Space, Zellenbüro, Gruppenbüro, Kombibüro, Business-Club, Kommunikation
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